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Gesundheit der Katze - Zahnschmerzen


Hat meine Katze Zahnschmerzen?

(mit freundlicher Genehmigung von Dr. Markus Eickhoff)


Dies ist eine Frage, die sich nicht einfach beantworten lässt. Sicher ist jedenfalls, dass sich eine Katze nicht mit einem "mir tut der linke obere Reißzahn weh" melden wird. Somit geht die Verantwortung einer sorgfältigen Beobachtung und richtigen Diagnose an den Besitzer bzw. an den untersuchenden Tierarzt.


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Sich auf umliegende Gewebe ausweitende Gingivitis in Ober- und Unterkiefer der Katze.




Symptomatik von Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen


Was kann uns nun einen Hinweis darauf geben, dass Probleme in der Mundhöhle vorliegen? Finden sich Blutungen aus der Mundhöhle oder abgebrochene Zahnfragmente, so ist die Problematik schnell lokalisiert. In der Regel aber sind solch offensichtliche Befunde nicht vorhanden, die Auffälligkeiten sind eher unspezifischer Natur. Bei der Nahrungsaufnahme kann sich dieses zeigen durch Fallenlassen des Futters, erschreckten "Aufschreiens" beim Fressen oder einfach nur in einer geringeren Futteraufnahme. Auch die plötzliche Vorliebe für nur Hart- oder nur Weichfutter kann ein Indiz sein. Vermehrtes Speicheln mit verklebtem Fell kann weiterhin auf einen krankhaften Reiz in der Mundhöhle hinweisen. Andere Symptome sind der Versuch, mit der Pfote in die Mundhöhle zu kommen, wiederholtes Streichen mit der Pfote über das Gesicht oder das Entlangstreifen des Kopfes am Teppich oder an Gegenständen. Spezifischere Auffälligkeiten sind Kopfschieflegen beim Fressen infolge einseitigen Kauens oder Zähneknirschen.


Durch den langsamen, chronischen Charakter vieler Erkrankungen in der Mundhöhle sind Hinweise darauf leider häufig jedoch versteckt in einer unauffälligen, schleichenden Verhaltensänderung.

Die häufig unspezifische Symptomatik zeigt deutlich, dass eine detaillierte Untersuchung der Mundhöhle der einzige Weg ist, Erkrankungen der Zähne und Kiefer zu erkennen. Aufgrund der meist im Bereich der Wurzeln liegenden Problematik ist es in den meisten Fällen sogar unumgänglich, Einzelzahnröntgenaufnahmen anzufertigen. Durch dentale Röntgenaufnahmen in Narkose können bei ca. 40% der Katzen wichtige, zusätzliche und behandlungsbedürftige Befunde an klinisch unauffälligen Zähnen erhoben werden. Dieses zieht für den Tierarzt ein hohes Maß an Verantwortung nach sich, der aus dem Vorbericht des Besitzers sowie der klinischen Mundhöhlenuntersuchung auf die Ursache der oralen Problematik schließen und ggf. allein schon zur weiteren Diagnostik eine Narkose durchführen muss.


Parodontitis


Die häufigste Erkrankung in der Mundhöhle der Katze ist die Parodontitis. Dabei handelt es sich eine Erkrankung des Zahnhalteapparates, bei welcher das Zahnfleisch sich entzündet und der Stützapparat der Zähne verloren geht. Zu dem betroffenen parodontalen Stützapparat zählen neben dem Zahnfleisch der Kieferknochen, das Wurzelzement und die parodontalen Fasern, durch welche der Zahn im Zahnfach aufgehängt ist. Eine Parodontitis beginnt in der Regel im Alter von zwei Jahren bei knapp dreiviertel aller Katzen und geht bei fehlender Zahnpflege (Zähneputzen mit Zahnpasta für Katzen) häufig in eine hochgradige Entzündung über. Es bilden sich neue Schmutznischen vor allem in den Bereichen zwischen den Wurzeln eines Zahnes, wenn sich der Knochen aufgrund der Entzündung von dort zurückgezogen hat. Die Entzündung kann sich festsetzen und die Zähne verlieren ihre Funktion. Weitet sich eine solche Entzündung auf benachbarte Schleimhautareale im Rahmen einer Stomatitis (allgemeine Mundhöhlenentzündung) aus, kann die Futteraufnahme zur Qual werden. Es gibt mehrere, unterschiedliche Formen einer Parodontitis, die von langsamen, chronischen Verläufen bis hin zu einer hochakuten, schnellen Destruktion des Zahnhalteapparates mit hgr. Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens reichen.

Generalisierte Entzündungen der Mundhöhle finden sich in Zusammenhang mit solchen Parodontitiden oder aber auch auf Grundlage einer viralen Infektion, die es abzuklären gilt. Insbesondere bei FIV- oder FeLV-Erkrankungen können sich aufgrund des gestörten Immunsystems persistierende, therapieresistente Entzündungen entwickeln. Problematisch ist häufig das Zusammentreffen vieler zu einer Entzündung beitragenden Ursachen in der Mundhöhle, welches eine kausale Behandlung erschwert.

In 90% aller Fälle jedoch ist das Vorhandensein einer Unmenge von Bakterien in den weichen Zahnbelägen die Ursache für die Entstehung einer Parodontitis. Aufgrund dieser Bakterien, die sich in dickeren Belägen umso besser vermehren können, löst sich der einst dichte Verbund von Zahn- und Zahnfleisch und schädigende Einflüsse können fortan auf Kieferknochen, Wurzelzement und Parodontalfasern einwirken. Ab diesem Zeitpunkt ist eine reine Zahnsteinentfernung (mineralisierte Beläge) Augenwischerei, ohne Parodontalbehandlung mit Entfernung von Belägen unterhalb des Zahnfleischsaumes sowie einer Wurzelglättung kann man der Entzündung nicht Herr werden. Denn nur eine wieder strahlendweiße Zahnkrone packt die Entzündung im wahrsten Sinne des Wortes nicht an der Wurzel.

Regenerative Maßnahmen zur Wiederherstellung eines funktionellen Parodonts zum Erhalt bereits geschädigter Zähne sind sehr aufwendig aber möglich, erfordern jedoch eine intensive Mitarbeit des Katzenbesitzers.


Hochgradige Parodontitis im Unterkiefer der Katze. Aufgrund eines ständigen entzündlichen Reizes hat ein Abbau des Kieferknochens stattgefunden, auf welchen auch ein Rückgang des Zahnfleisches folgt.



Hochgradige Parodontitis eines oberen Fangzahnes. Die Wurzel ist vollständig mit Zahnstein und Belägen bedeckt, in der Umschlagfalte fistelt der Prozess der Wurzel in die Mundhöhle. Umgebendes Zahnfleisch hat sich zum Teil zurückgezogen. Infolge dieses Prozesses lag im Wurzelspitzenbereich eine Verbindung von Mund- und Nasenhöhle vor.

Röntgenbild einer Parodontitis im Unterkiefer der Katze. Es hat ein genereller Knochenabbau stattgefunden, die Wurzeln stecken nur noch zur Hälfte im Kieferknochen. Die distale Wurzel des Reißzahnes ist infolge der Parodontitis zum Teil aufgelöst.


Beeinträchtigung der Allgemeingesundheit


Ausgehend von dem chronisch-entzündlichen Geschehen an Zahn und Kiefer werden im Laufe der Zeit auch andere Organe miteinbezogen. Herzklappenfehler und chronische Leber- und Nierenerkrankungen sind bevorzugte Folgen nicht behandelter Herderkrankungen in der Mundhöhle, wie man vom Menschen und auch von Untersuchungen an Hund und Katze mittlerweile weiß.



Prophylaxe und Behandlung


Einer Parodontitis kann vorgebeugt werden, auch wenn häusliche Zahnpflege bei der Katze sich nicht so einfach gestaltet wie beim Hund. Wenn es aber möglich ist, seiner Katze die Zähne zu putzen, so sollte man dieses tun. Denn dadurch bleiben nicht nur die Zähne gesund, man verhindert auch Folgeerkrankungen anderer Organe. Ist Zähneputzen nicht möglich, so sollte in regelmäßigen Intervallen eine professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt durchgeführt werden. Wie schon gesagt, umfasst dieses jedoch nicht nur das Entfernen von Zahnstein, sondern die Mitbehandlung der Wurzel. Aufgrund der Häufigkeit der Problematik sollte bei Verdacht eine Sondierung betroffener Zähne erfolgen, um vergrößerte Taschentiefen feststellen zu können. Liegen diese vor, sollten in jedem Fall bei Behandlung unter Narkose Einzelzahnröntgenaufnahmen angefertigt werden, um die Erhaltungswürdigkeit der Zähne festzustellen, damit nicht letztendlich ein schädigender Einfluss zurückbleibt.



FORL (Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen)


Auch ein bestimmter Teil der sogenannten FORL (Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen) ist dem parodontalen Formenkreis zuzuordnen. Weitere Untersuchungen sind ob ihrer extremen Schmerzhaftigkeit (Schmerzreaktion auf Sondierung sogar in Narkose), Häufigkeit (jede dritte Katze weist eine oder mehrere Läsionen auf) und ihres heimtückischen Beginns (unterhalb des Zahnfleisches, deshalb im Anfangsstadium nicht in der Mundhöhle sichtbar) unbedingt notwendig. Zu FORL aber in einem späteren Beitrag mehr.

Die Parodontitis der Katze ist nur eine von möglichen Erkrankungen in der Mundhöhle der Katze, welche gesamt gesehen die häufigsten Krankheiten der Katze überhaupt sind (Ergebnis einer Studie mit 15 000 Katzen). Mithilfe eines aufmerksamen Besitzers sowie geeigneter Untersuchungsmaßnahmen durch den Tierarzt lassen sich viele dieser Erkrankungen erkennen und so behandeln, dass der Katze das leckere Futter wieder schmeckt und Rumtollen wieder Spaß macht.


 
 


 

 

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